Patente im Softwarebereich stehen immer wieder in der grundsätzlichen Kritik. Doch in manchen Situationen könnte ein Patent dazu genutzt werden, bestimmten („gefährlichen“) Technologien den Marktzugang zu erschweren.

Ein schönes Beispiel ist ein aktuelles Patent, das Apple zugesprochen wurde. Es wurde eine Technologie entwickelt, die es ermöglicht, mittels Infrarotstrahlen die Kamera eines Telefons zu deaktivieren (patentlyapple.com). Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Patent, das bereits 2011 eingereicht und Apple nun zugesprochen wurde.

Der Gedanke hinter der Technologieidee ist nachvollziehbar. Allerdings wurde uns in jüngster Vergangenheit an mehr als einem Beispiel deutlich vor Augen geführt, was die grundsätzliche Möglichkeit nicht autorisierter Zugriffe auf Endgeräte für die Privatsphäre bedeuten könnten. Stichwort: der Streit Apple vs. FBI im Kontext des San Bernadino-Attentats.

Apple hatte sich im konkreten Fall geweigert, neben der Herausgabe der iCloud Backups dem FBI auch noch einen Zugang zu dem iPhone des Attentäters zu verschaffen (bzw. die dafür notwendige Backdoor zu entwickeln) mit der Begründung, dass damit ein Generalschlüssel entstünde, der potenziell jedes iPhone unsicher machen würde, wenn er in die falschen Hände geriete. Das FBI hat sich unter Zuhilfenahme eines anderen Unternehmens angeblich (!) doch noch Zugriff verschafft. Aber das ist eine andere Geschichte.

Doch zurück zum Kontext. Apple könnte natürlich mit der Umsetzung dieses neuen Patents Kinobetreibern und Konzertveranstaltern einen großen Gefallen tun. Allerdings sind die User nicht zuletzt aufgrund des oben erwähnten Vorfalls sensibilisiert bezüglich des Schutzes Ihrer Privatsphäre durch Technologieunternehmen. Beispielsweise hat Microsoft jüngst im Sinne der Kunden (und damit im Sinne seines Geschäftsmodells) entschieden, Datencenter durch die deutsche Telekom betreiben zu lassen, die dann per Definition den strengen deutschen Datenschutz-Regelarien unterworfen wären und auf die in der Folge selbst Microsoft keinen Zugriff mehr hat, was  die Datenbestände dann auch für US-Behören per se nicht mehr zugreifbar machen würde.

Insofern könnte Apple mit diesem – potenziell datenschutzrechtlich bedenklichen – Patent ein aus anderer Perspektive sehr cleverer Schachzug gelingen: Das Patent, sofern es ungenutzt bleibt, kann nämlich verhindern oder zumindest erschweren, dass genau diese unerwünschte „Fernsteuerung“ auch durch andere Hersteller in deren Geräte implementiert wird und könnte damit einen neuen Sicherheitsaspekt für die User von Mobilgeräten im Allgemeinen schaffen.

Tim Cook muss sich also eigentlich „nur“ wieder einmal vor Augen führen, wer die Entwicklung seiner Aktienkurse maßgeblich beeinflusst: die Film und Musik-Industrie oder die zahlenden Apple-Kunden. Aus der Ferne betrachtet sollte ihm diese Entscheidung leicht fallen. Ich bin gespannt.